Dienstag, 04.06.2024: Die Sonne hat uns wiedergefunden! Nach dem genialen Freiluftfrühstück oberhalb der Pliva packen wir und reisen ab. Heute geht es auf schlanken 232 km quer durch Bosnien-Herzegowina nach Sarajevo. Die erste Station war der berühmte Wasserfall am Rande der Altstadt von Jajce. Hier stürzt sich die Pliva in den Vrbass: Nach diesem Schauspiel verlassen wir Jajce nach Südosten ins Vrbass-Tal. Übrigens wurde im von der Wehrmacht unbesetzten Jajce im Jahre 1943 das föderalistische Konzept für das neue sozialistische Jugoslawien entwickelt und daher gilt die Stadt als Gründungsort der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. Aha! Wir pflügen durch das Vrbas-Tal und kommen in die Kleinstadt Donji Vakuf an der Westseite des Gebirges Komar. Nach Bugojno fahren wir auf der M16.2 Richtung Gornji Vakuf und genießen die Fernblicke in die bosnischen Berge rings um den Stausee Ramsko Jezero. Das nächste Ziel ist der Neretva-Stausee bei Jablanica, wo wir eine Pause einlegten. Nach dem herrlichen Tal der Neretva kommen wir nach Konjic im äußersten Norden der bergigen Herzegowina. Konjic war im Kalten Krieg der Standort von Titos geheimen Nuklear-Bunker. Mit diesem Wissensvorsprung fahren wir weiter und kommen in die Bjelašnica, einem Gebirgszug im zentralen Bosnien und Herzegowina als Teil des Dinarischen Gebirges. Die Bjelašnica liegt südwestlich von Sarajevo und reicht bis zum Fuße des Berges Igman, unserem nächsten Ziel. Hier fanden 1984 die olympischen Wettbewerbe im Skispringen statt, aus denen Jens Weißflog (DDR) als ein Sieger hervorging. Die gesamte Schanzenanlage wurde im Bosnienkrieg zerstört und fristet ein jämmerliches Dasein. Etwas bedrückt verlassen wir den Berg Igman mit dem Ziel Sarajevo. Wir sind gespannt auf den Abend im Schmelztiegel der Geschichte und beziehen unsere Zimmer im Hotel "President" am Rande des historischen Baščaršija-Viertels: Lateinerbrücke, Kaisermoschee, Sebilj-Brunnen, Gazi-Husev-Beg Moschee, Kaffeestuben, Souvenir- und Handwerkerläden. Sarajevo ist einzigartig und eine eigene Urlaubsreise wert! Wir sind sehr beeindruckt und beschließen einen emotionalen Tag...
Mittwoch, 05.06.2024: Gegen 10:30 verlassen wir die Garage des Hotels President und machen uns an die 215 km lange Tour mit dem Ziel Montenegro. Durch die heiße Innenstadt kommen wir ins olympische Dorf im Südwesten Sarajevos, in das lange nach seiner Zerstörung wieder neues Leben eingezogen ist. Auf der M18 kommen wir nach Trnovo, das seit dem Vertrag von Dayton, der das Ende des Bosnienkrieg besiegelte, in zwei Teile getrennt ist. Die Föderation Bosnien und die Rep. Srpska grenzen hier aneinander - hoffentlich gehts gut! Wir fahren weiter durch die Treskavica, ein zu den Dinariden gehörendes Gebirgsmassiv im Zentrum von Bosnien und Herzegowina. Die Straßen sind ganz gut in Schuss und wir genießen die Kurven über das nur spärlich bewachsene Hochplateau zwischen Trnovo und Kalinovik. Eine Landschaft wie aus aus den Winnetou-Filmen zieht vorbei und wir kommen ins Dorf Jelascha. Hier ist dann auch Schluss mit Asphalt und wir sind im Enduro-Himmel angekommen. Die Piste nimmt kein Ende und wir wundern uns, dass hier überhaupt gefahren werden darf. Später recherchierten wir, dass diese Strecke ein Teil des Trans Euro Trail TET ist. Über 100.000 km frei befahrbare Offroad-Pisten sind hier zusammengefasst. In Bosnien gibt’s davon 520 Kilometer und 53 davon sind unser! Die Piste mündet schließlich in die M-20, die uns über die große Talbrücke Trnova Luka ins tief eingeschnittene Sutjeska-Tal bringt. Die Sutjeska mündet schließlich in die Drina, deren Verlauf wir bis Brod folgen. Hier wechseln wir die Talseite und fahren nun auf der M-18 flussaufwärts in Richtung bosnisch-montenegrinische Grenze. Über eine wackelige Brücke über die Drina, die ab nun Tara heißt, überqueren wir die Grenze von Bosnien nach Montenegro. Mit Blick auf Montenegros größten Stausee kommen wir auf der M-3 oberhalb des Piva-Flusses nach Plužine. Hier zweigt die schmale Piste zu unserer heutigen Unterkunft ab. Wir logieren in den urigen Hütten des Rural Resort Tron mit überragendem Blick auf den Stausee. Auf uns!
Donnerstag, 06.06.2024: Was war das für eine urige Unterkunft hier oben über der augestauten Piva. Nach dem abermals ausgezeichneten Frühstück mit regionalem Schwerpunkt packten wir die Bikes und verließen das Rural Resort Tron talwärts Richtung Plužine. Unser heutiges Tagesziel ist die "Vila Nikčević" in Ljuta bei Kotor an der gleichnamigen Bucht an der Adria. Bei strahlend blauem Himmel und angenehmen 20 Grad starten wir zur 315 km langen Tour. Nach der Brücke über den Piva-Stausee Brücke biegen wir in die schmale R-16 und arbeiten uns durch unzählige enge und natürlich unbeleuchtete Tunnel hinauf auf 1.400 Metern Höhe. Wir ziehen unsere Bahnen durch die engen Kurven Richtung Durmitor. Für wahre Offroad-Liebhaber ist diese dünn besiedelte Region im Nordosten Montenegros der absolute Knaller und wir sehen viele Kollegen mit ihren Stollenhopsern. Kurze Zeit später liegt das Durmitor-Gebirge zu unseren Füßen oder besser Rädern und wir sind schwer beeindruckt von den bizarren Felsformationen rund um den 2.293 Meter hohen Prutash. Die schmale Bergstraße schlängelt sich durch die engen Kurven des zentralen Bergmassivs. Später schwingen wir talwärts in Richtung Zabljak, wo sich auf 1.456 Höhenmetern das touristische Zentrum des Nationalparks befindet. Einige Kurvenwalzer danach erreichen wir das tief eingeschnittene Tal der wilden Tara mit seiner berühmten Betonbogenbrücke (Đurđevića-Tara-Brücke). Nach grandiosen Blicken in die Taraschlucht setzen wir die Tour Richtung Mojkovac und das Morača-Tal fort. Nach dessen Ende erwartet uns Podgorica, die Hauptstadt Montenegros. Hier im ehemaligen Titograd ist es heiß und schwül und genauso geht es auch auf den Straßen zu - Balkan live! Nach Podgorica gehts auf der M-3 nochmal so richtig bergauf, bevor wir durch lange Kurven mit prächtigen Blicken auf die Adria an die Küste bei Budva stoßen. Eine halbe Stunde später liegen wir am Privatstrand der "Vila Nikčević" in Kotor/Ljuta und genießen ein eiskaltes Pils. Was war das für ein feiner Tag! Wir freuen uns auf die kommenden zwei Tage an der Bucht von Kotor.
Tourentag 4: 04.06.2024 | Tourentag 5: 05.06.2024 | Tourentag 6: 06.06.2024 |
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